Dienstag, 30. Juni 2009

Wie können wir den Grund legen?

Morgenandacht beim Predigthelferkurs I der Evangelischen Kirche im Rheinland - EKiR - im Joseph-Hromadka-Haus in Stolberg-Zweifall bei Aachen am 06.04.1984

EKG 542, 1 + 2 Er weckt mich alle Morgen eg 452, 1+2

Wir hören zunächst aus dem Buch Esra im dritten Kapitel die Verse 9 bis 11 :

(9) Und Jeschua mit seinen Söhnen und seinen Brüdern Kadmici, Binnui und Hodawja traten einmütig an, um die Arbeiter im Hause Gottes anzuleiten, dazu die Söhne Hanadads mit ihren Söhnen und ihren Brüdern, die Leviten.
(10) Und als die Bauleute den Grund legten zum Tempel des Herrn, stellten sich die Priester auf in ihren Amtskleidern mit Trompeten und die Leviten, die Söhne Asaf, mit Zimbeln, um den Herrn zu loben nach der Ordnung Davids, des Königs von Israel.
(11) Und sie stimmten den Lobpreis an und dankten dem Herrn:
Denn er ist gütig und seine Barmherzigkeit währt ewiglich über Israel. Und das ganze Volk jauchzte laut bei Lobe des Herrn, weil der Grund zum Hause des Herrn gelegt war.
Esra 3, 9 - 11
Dann hören wir noch ein Wort des Apostels Paulus, das er den Christen in Korinth schrieb:
(9) Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.
(10) Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.
(11) Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.
1. Kor. 3, 9 - 11

Die Berichte im Alten und Neuen Testament beschreiben einen Hausbau.
Bei Esra ist es der Bau des Tempels in Jerusalem, der durch Spenden einzelner Stämme des Volkes Israel auf Befehl Gottes möglich wird. Die Bauleute legen das Fundament. Priester und Leviten stimmen den Lobgesang an - das Volk jubelt.
Paulus schreibt der Gemeinde in Korinth, daß sich alle Arbeit - auch die Arbeit unter dem Worte Gottes - im letzten Gericht bewährt. Dies ist der letzte Maßstab - und nicht menschliches Tun und Denken. Er selbst, Paulus, habe nach Gottes Gnade den Grund gelegt als weiser Baumeister, ein anderer baue nun darauf. Jeder solle nun darauf achten, wie er darauf baue. Es gebe keinen anderen Grund, kein anderes Fundament als jenes, das in Jesus Christus, in seinem Kreuz und in seiner Auferstehung gegeben ist.
Wir sind hier in Zweifall versammelt - nicht, weil es uns hier besonders gut gefällt, sondern weil wir gerufen wurden, weil wir einen Auftrag erhalten haben. Am ersten Tag haben wir es schon ausgesprochen: Diesen Auftrag können wir nur erfüllen, wenn wir ein tragfähiges Fundament für diese Arbeit gelegt haben.
Weise Baumeister haben sich bemüht, damit wir gemeinsam mit ihnen ein solches Fundament zuwege brachten - heute und morgen sind weitere bei uns.
Doch schon am ersten Tage, bei unserer Arbeit am Alten Testament, wurde uns deutlich, wie gefährlich eine solche Arbeit sein kann. Einige erfaßte leichter Schwindel - und vielleicht ging es nicht nur einigen, wenigen so. Mancher hat sich dabei gefragt, ob diese Baumeister so weise wohl sein mögen, wie wir es um unserer Arbeit willen erhofften. Der eine oder andere fragte sich vielleicht, ob die Gnade Gottes wohl das alles auffangen kann, was uns als möglicher Mangel erschien.
Ja, wie ist das mit der historisch-kritischen Forschung, wie ist das mit unserem Kinderglauben und wie ist das mit unserem Unvermögen, das wir oft besser kennen als unser Können? Wir haben uns selbst, uns gegenseitig und unseren Bauleuten nichts geschenkt.
Anstrengend war es und keineswegs eine Frei-Zeit oder ein "Kursus", wie es offiziell heißt. Wir haben eine Rüstzeit, eine Zu-Rüstung erfahren für unsere Arbeit am großen Bau der Gemeinde Jesu Christi. Uns ist deutlich geworden, daß wir ganz kleine Bauleute sind, die mit begrenzten Mitteln an einer bestimmten Stelle an diesen Bau mitbauen.
Paulus nimmt uns mit seinen Wort die Zweifel, ob wir diese Arbeit auch bewältigen können. Er nimmt die innere Not hinweg, die uns fürchten ließ, die Grundfesten unseres Glaubens gerieten in Gefahr. Es gibt nur einen Grund, ein einziges wirklich tragfähiges Fundament - und das ist Jesus Christus. Paulus selbst hat in der Gnade Gottes dieses Fundament legen helfen.
Was immer wir also tun, wo immer wir mit unserer nicht immer schulgerechten und deshalb wilden Bauerei hingeraten, wir müssen - und wir können das auch - immer von neuem den Grund suchen, auf dem wir stehen. Die Instrumente dazu, Wasserwaage und Lot, haben uns die Baumeister gezeigt. Sie haben uns in der Anwendung an - geleitet. Wir sind jetzt zwar keine gelernten - aber an-gelernte Bauleute. In diese Anlernzeit gehören auch die Abende, an denen wir vom Kirchenkampf hörten. Was wir hörten, ist mahnendes Warnzeichen dafür, wohin es führen kann, wenn Baumeister und Bauleute, ob gelernt, angelernt oder ungelernt, weder Wasserwaage noch Lot benutzen oder beides falsch anwenden.
Wir haben in dieser Zeit aber auch erfahren, daß unsere Bauleute tatsächlich etwas von der Weisheit des Paulus gezeigt haben - jeder auf seine Weise - und daß wir alle gehalten sind in der Gnade Gottes.
Wir sind dankbar für diese Erfahrung und für diese Rüstzeit in Zweifall.
- Wie das Volk Israel bei der Grundsteinlegung des Tempels in Jerusalem so können auch wir Gott danken - dafür, daß er uns gerufen hat und dafür, daß er uns hilft. Amen.

EKG 503, 1+2 Danket dem Herrn! Wir danken dem Herrn ... eg 333, 1 + 2

Herr Jesus Christus,
der du unsere Sünde am Kreuz getragen und uns zu deinem Eigentum erworben hast, verleihe uns, daß wir durch das Opfer deiner Liebe getröstet und zu einem Leben in deinem Dienst geheiligt werden, um deines bitteren Leidens und Sterbens willen. Amen.
EKG S. 1044, Ziff. 3


Materialien

- "Stuttgarter Erklärungsbibel" - Lutherübersetzung mit Einführung und Erklärungen - Stuttgart. 2.A.1992, S. 584, 587 f; S. 1464
- "Neue Jerusalemer Bibel" - Einheitsübersetzung mit dem Kommentar der Jerusalemer Bibel, neu bearbeitete und erweiterte Ausgabe Deutsch herausgegeben von Alfons Deissler und Anton Vögtle in Verbindung mit Johannes M. Nützel Freiburg. Herder. 12.A. 1985.2001, S. 563, 566 f;S.1651, 1654
- Wendland, Heinz-Dietrich
"Die Briefe an die Korinther", übersetzt und kommentiert Göttingen. Vandenhoeck & Ruprecht. 15.A. 1980, S. 1 - 5, 33 f - NTD 7 -
- Voigt, Gottfried
"Homiletische Auslegung der Predigttexte" Neue Folge. Reihe VI: "Die lebendigen Steine" Göttingen. Vandenhoeck & Ruprecht.2.A. 1989, S. 337 - 343
- Gunneweg, Antoniua H. J.
"Geschichte Israels. Von den Anfängen bis Bar Kochba und von Theodor Herzl bis zur Gegenwart" Stuttgart. Berlin. Köln. W. Kohlhammer 6.a. 1989, S.135 - 140
- EKG "Evangelisches Kirchengesangbuch". Ausgabe für die Landeskirchen Rheinland, Westfalen und Lippe" Dieses Gesangbuch war bis zum Jahre 1996 in Gebrauch.
- eg "Evangelisches Gesangbuch". Ausgabe für die Evangelische Kirche im Rheinland, die Evangelische Kirche von Westfalen, die Lippische Landeskirche in Gemeinschaft mit der Evangelisch-reformierten Kirche (Synode evangelisch-reformierter Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland)". 1.A. 1996. 2. A. 1998


Anmerkung

Die Morgenandacht wurde anhand des Bibeltextes und des EKG verfaßt.
Das Gebet war für den Freitagmorgen im EKG angeboten. Ein Gebet in dieser Form findet sich nicht im eg, dafür die Freitagsgebete unter Nummern 932 bis 937. Die Angaben zu den Materialien sollen aktualisierende und weiterführende Hinweise bieten.
Da die Zeit viele Veränderungen gebracht hat, sei noch angefügt: Predigthelfer waren in der EKiR die Laienprediger, die nach zwei Kursen zum Dienst an Gottes Wort und zur Verwaltung der Sakramente ordiniert wurden. Seit 2005 gilt das Predigthelfergesetz nicht mehr, sondern wurde abgelöst durch das Prädikantinnen- und Prädikantengesetz. Vom gleichen Jahr an gilt das Ordinationsgesetz in der EKiR.

Helmut Böhme

Goldhochzeit - Bewährung im Glauben

ANSPRACHE aus Anlaß einer Goldhochzeit am 17.07.1993

Fürchte dich vor keinem, was du leiden wirst!
Siehe der Teufel wird
etliche von euch ins Gefängnis werfen,
auf daß ihr versucht werdet
und werdet Trübsal haben zehn Tage.

Sei getreu bis in den Tod,
so will ich dir die Krone
des Lebens geben.
Offb. 2,10 Luthertext, 1912

Liebes Ehepaar,
fünfzig Jahre sind eine lange Zeit im Leben eines Menschen. Sie umfassen Höhen und Tiefen - Freud und Leid. Noch viel mehr aber gilt diese Erfahrung für gemeinsam verlebte Jahre.
Lassen Sie uns einen Blick in die Vergangenheit werfen - damals, im Jahre 1943, als Sie von Pfarrer A. in L. getraut wurden, war Krieg. Ihr Trauspruch aus dem Buch der Offenbarung des Johannes hatte einen ganz konkreten Bezug auf die Zeit:
Fürchte dich nicht vor dem, was du wirst leiden müssen.
Ihr Lebensweg war von Leiden begleitet.
... ihr werdet Trübsal haben ...
0 ja - Not und Leid haben Sie nicht verschont. Der Krieg hat Sie voneinander getrennt. Als Soldat und als Hilfsschwester im Lazarett begegneten Sie beide dem Leiden der anderen und dem Tod. Und Sie blieben auch selbst nicht verschont - von Krankheit und Verwundung.
Aber der Seher hat das Leiden begrenzt:
... ihr werdet in Bedrängnis (Luther 1984)/ in Trübsal (Luther 1 12) sein zehn Tage ...
So einfach war das bei Ihnen nicht. Aber es stimmt am Ende doch: Nach allem Leid ging es doch immer wieder weiter - und es ging aufwärts.
Im Rückblick auf das Leben Ihrer Eltern und Großeltern stellen Sie dankbar fest, daß Sie vieles von dem, was Sie erarbeitet haben, be-wahren konnten und jetzt im Alter auskosten.
Wie vielen Menschen wird - auch heute noch - im Alter die letzte Zuflucht, die letzte Habe genommen! Wo immer Krieg herrscht, da geschieht das - auch heute noch, so in Jugoslawien bei uns in Europa oder in Afrika, etwa im Somalia.
Und schließlich sagt der Seher im Namen Gottes uns zu:
Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone . des Lebens geben.
Sei getreu bis in den Tod ..., das heißt hier, nicht nachzulassen in der Nachfolge des Gottes, der uns liebt. Das ist nicht leicht in einer Welt des Hasses, des Krieges, in einer Welt, in der es um Tod oder Leben geht. Und doch haben Sie sich auf diese Nachfolge eingelassen - und Sie haben überlebt.
Im Rückblick mögen Sie schon die gnädige Hand unseres Gottes darin sehen, daß er sie füreinander erhalten hat und daß Sie überlebten. Eine weitere Fügung Gottes kann es gewesen sein, daß Sie in den letzten Kriegstagen im gleichen Lazarett sein konnten.
Und alles, was danach folgte - es war bei aller Mühsal zugleich auch eine gnädige Führung unseres Gottes: Daß Sie, Herr NN, trotz der vielen Verwundungen arbeiten konnten, daß Sie hier in Leverkusen Arbeit fanden und daß Sie darüber hinaus in mühevoller Arbeit nach Feierabend ihr eigenes Haus bauen konnten.
Dankbar sind Sie beide auch für Ihre Tochter und die Enkelkinder.
Es fällt Ihnen nicht leicht, die jungen Menschen von heute zu
verstehen. Denen fällt vieles so einfach in den Schoß. Oft wissen die Leute heute nicht, was es heißt, zu arbeiten - und was es bedeutet, sich selbst sein Leben mühevoll unter Entbehrungen zu erarbeiten.
Trotz alledem sind Sie nicht verbittert und schließen sich nicht aus. Dennoch haben 'Sie sich die Kraft bewahrt, dankbar und fröhlich zu sein.
Das ist etwas von dem, was der Seher Johannes den "Kranz des Lebens" mit dem Gott diejenigen belohnt, die ihm die Treue halten.
"Ich möchte es nicht so ernst haben" - so oder so ähnlich sagten Sie, Frau NN, als Sie mir die Lieder angaben, die wir jetzt im Anschluß singen.
Deshalb schließe ich jetzt mit einem Wort des Apostels Paulus, das er den Christen in Thessaloniki schrieb:
Seid allesamt fröhlich, betet ohne Unterlaß, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.
1. Thess. 5,16
Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.
1. Thess. 5,23
Amen.
Lieder
EKG 347 Lobet den Herren, alle, die ihn ehren ... eg 447
EKG 236 Bis hierher hat mich Gott gebracht ... eg 329
EKG 371 Geh aus, mein Herz und suche Freud ... eg 503

Materialien
Lohse, Eduard
"Die Offenbarung des Johannes" - Übersetzung und Kommentar -
Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht. 12.A. 1979, S.26 - 27
erschienen in der Reihe
"Neues Testament Deutsch" - NTD - Band 11
Müller, Ulrich B.
"Die Offenbarung des Johannes" - Kommentar -
Gütersloh, Gütersloher Verlagshaus.2.A.1995, S. 104 - 109
Ökumenischer Taschenbuchkommentar zum Neuen Testament, Band 19
Jens, Walter in
"Assoziationen. Gedanken zu biblischen Texten", Band 4, S.192 f
Stuttgart, Radius Verlag.1981.

Dokumentation

02.02.1943 Die 6. deutsche Armee unter Generalfeldmarschall Paulus kapituliert und geht in russische Gefangenschaft. Damit haben die Truppen der UdSSR Stalingrad zurückerobert .
24.07. - 03.08. 1943
Große Teile Hamburgs werden durch Fliegerangriffe zerstört. Die Menschenverluste sind erheblich.
19.04. - 16.05.1943
Der Aufstand von 60.000 Juden im Ghetto von Warschau wird durch brutalen "Polizeieinsatz" niedergeschlagen, fast alle Juden getötet. '.
Nach 17 Monaten Belagerung eröffnen sowjetische Truppen Zugang zu Leningrad
17.07.1943 Heirat des Jubelpaares
Ehemann hat drei Tage Heiratsurlaub bekommen, danach im Nordteil der Ostfront eingesetzt, Leningrad
Quellen
"Der große Ploetz. Die Daten-Enzyklopädie der Weltgeschichte. Daten, Fakten, Zusammenhänge"
Lizenzausgabe von PLOETZ im Verlag Herder in Freiburg/Breisgau erschienen bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, Darmstadt, 32.A.2000, S. 782 f
Stein, Werner
"Kulturfahrplan. Die wichtigsten Daten der Kulturgeschichte von Anbeginn bis 1963"
Frankfurt/Main, Büchergilde Gutenberg.1968, S. 1150 ff Lizenzausgabe des Verlags F.A.Herbig, Berlin und Wünschen. 1946 ff
Persönliche Mitteilung des Jubilars aus dem Vorgespräch am 15.07.1993

Nachbemerkung
Für die Beteiligten war der geschichtliche Hintergrund immer präsent. Sie brauchten und wollten auch keine Hinweise darauf oder Erklärungen dazu. Jetzt, im Internet, sollten für nachwachsendes Generationen die zeitgeschichtlichen Hintergründe und Zusammenhänge aufgezeigt werden. Es ist heute kaum nachzuvollziehen, wie bedroht die menschliche Existenz war, wenn nach drei Tagen Heiratsurlaub die Versetzung auf einen gefährlichen Frontabschnitt zu erwarten war und in der Heimat vernichtende Angriffe feindlicher Bombergeschwader die Städte in Schutt und Asche legten.