Dienstag, 22. September 2009

Prüfstein für den Glauben

30.12.1984 1. Sonntag nach Weihnachten

Predigttext aus dem Evangelium nach Lukas in der Einheitsübersetzung der katholischen und evangelischen Kirche:
Lk 2, 25 - 39
(25) In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm.
(26) Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe.
(27) Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war,
(28) nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:
(29) Nun läßt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
(30) Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
(31) das du vor allen Völkern bereitet hast,
(32) ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
(33) Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden.
(34) Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, daß in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird.
(35) Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.
(36) Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuels aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt;
(37) nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.
(38) In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.

Lieber himmlischer Vater, dein Sohn ist Mensch geworden. Wir wissen das - und dennoch wissen wir es nicht. Sei du bei uns in dieser Stunde und laß uns erfahren, was die Ankunft deines Sohnes für jeden von uns bedeutet. Amen.
Das Weihnachtsfest liegt hinter uns. Der 24., 25. und 26. Dezember 1984 - diese Tage sind vergangen. Ist auch die Botschaft vergangen, die in den Worten der Einheitsübersetzung lautet: Heute ist euch der Retter geboren ... Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade (Lk. 2, 11, 14) ?
Vergangen ist diese Botschaft nicht. Sie lebt seit fast 2.00C Jahren unter den Menschen -und auch heute lebt sie in uns allen. Wir wären sonst nicht hier. Sie hat die Welt erhalten zum heutigen Tag. Das ist meine Überzeugung. Gewiß, wir Menschen haben diese Botschaft oft mißbraucht - aus der Frohbotschaft eine Drohbotschaft gemacht (Walter Jens "Assoziationen", Bd.1, Stuttgart. Radius.1976, S. 7). Im Namen Jesu Christi wurde gemordet und Terror in der Welt verbreitet. Zugleich aber ist die Liebe, wie Jesus sie verkündet hat, zu einer Weltmacht geworden, die niemand mehr leugnen kann, die auch niemand mehr einfach übergehen kann - mit der jeder rechnen muß.
Unsere Geschichte von Simeon und Hanna schließt an die Weihnachtsgeschichte an. Die Botschaft der Weihnachtsgeschichte lautet in der für uns ungewohnten Fassung der Einheitsübersetzung: " ... Heute ist euch ... der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr (Lk 2,11). ... Verherrlicht ist Gott der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade (Lk 2,14)."
Wir werden nach den Wirkungen dieser Botschaft fragen.
Die für mich zentrale Stelle unseres Predigttextes ist das Zeugnis des Simeon:
Nun läßt du, Herr, deinen Knecht in Frieden scheiden, wie dein Wort es verheißen hat, denn meine Augen haben das Heil geschaut, das du geschaffen hast, damit alle Völker es sehen: ein Licht, das die Heiden erleuchtet und eine Verherrlichung deines Volkes Israel.
Wie kommt Simeon dazu, dies von dem kleinen Jesuskind zu sagen? Der Geist hat es ihm offenbart. Das soll heißen, Gott, der Herr, hat ihm den Blick für das Wesentliche geöffnet. Mehr noch: Simeon bezeugt, was er sieht. Die Eltern des Jesuskindes staunen über diese Worte. Sie können nicht verstehen, was Simeon meint. Simeon erkennt das, und er wendet sich an Maria, an den Menschen, der dem Jesuskind am nächsten steht. Er sagt über dies Kind geheimnisvolle Worte: In Israel sollen viele durch Jesus zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden. Jesus wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Durch dieses Zeichen werden die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. -
Wir wissen, wer durch Jesus zu Fall kommen wird. Das sind jene Menschen, die ihre Kraft und Macht aus dieser Welt ziehen.
Wir wissen, wofür Jesus ein Zeichen ist: Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat (Joh. 3,16). Für diese Liebe ist Jesus ein Zeichen - ein Zeichen aus Fleisch und Blut, ein Zeichen aus Liebe, Not, Leid und strahlendem Sieg. Ich meine, Jesus ist mehr als ein Zeichen. Er ist der Beweis der Liebe Gottes zu seiner Schöpfung, zu den Menschen. Mit Jesu Ankunft bezeugt Gott diese Liebe. Er bestätigt sichtbar, hörbar und für alle erkennbar diese Liebe. Durch dieses von Gott gesetzte Zeichen werden die Gedanken der Menschen offenbar. An Jesus scheiden sich die Geister der Menschen. Die einen verfolgen, die anderen verehren ihn. Jesus ist der Prüfstein für den Glauben der Menschen an Gott.
Und dann der letzte, der Satz, der Maria treffen wird: "Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen". 'Jas meint Simeon damit? Will er Maria darauf vorbereiten, daß ihr Sohn Jesus sie in den letzten Jahren seines Lebens verlassen und sich anderen Menschen zuwenden wird? – Wer von uns eigene Kinder hat aufwachsen sehen und als Mutter oder Vater hat begleiten können und dann erlebte, wie sich diese Kinder von ihren Eltern lösten und ihren eigenen Lebensweg einschlugen, der könnte eine Ahnung von dem haben, was hier das Schwert bedeuten könnte, das durch die Seele der Mutter Maria gehen soll.
Jesus wird in seinen letzten Lebensjahren ein ganz anderes Leben führen als seine Eltern es sich vorstellen konnten.
Ich glaube aber, Simeon meint das andere - das Ende Jesu in Leiden und grenzenloser Verzweiflung, den Tod eines Verbrechers am Kreuz und dann die Auferstehung und die Verherrlichung des auferstandenen Christus. Das ist eine Erfahrung, die eine Mutter nur mit äußerstem Schmerz erleben kann. -
Simeon wird uns als fromm und gerecht geschildert. Er ist also jemand, der sich ganz dem Glauben an Gott zugewandt hat. Deshalb wartet er auf die Rettung Israels. Erinnern wir uns der Worte der Verheißung: "Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht ... uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seinen Schultern. Seine Herrschaft ist groß und der Friede hat kein Ende (Jes. 9, 1,5 + 6)." "...Aber du, Bethlehem-Efrata ... aus dir wird einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll (Micha 5,1)."
Viele Zeitgenossen des Simeon warten wie er auf die Rettung Israels. Aber sie läßt auf sich warten. Simeon wartet geduldig - und ihm offenbart Gott durch den Heiligen Geist, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. Auf diesen Augenblick lebt Simeon hin. Nun ist er gekommen. Niemand - auch die Eltern des Kindes nicht - kann in diesem Kind etwas Besonderes sehen. Gewiß - die Ankündigung der Geburt Jesu, die Anbetung im Stall von Bethlehem, das alles sind Zeichen des Besonderen gewesen. Die Eltern aber verstanden sie nicht.
Simeon spricht die Aufgabe Jesu in dieser Welt aus: Jesus ist das Heil Gottes für alle Völker. Gott hat dieses Heil vor allen Völkern bereitet. Für uns scheint das selbstverständlich zu sein. Aber weder zu Jesu Zeiten noch zu unseren Zeiten ist das selbstverständlich. Zu allen Zeiten gab es Randgruppen der menschlichen Gesellschaft, Arme und Schwache, Asoziale, Kranke, Farbige oder Andersgläubige, politische Gegner oder auch politische Rivalen aus dem eigenen Lager - die von Christen, die im Besitz der weltlichen Macht sind, so behandelt werden, als sei Jesus Christus nur zu den Mächtigen dieser Welt gekommen und habe nur sie von ihren Sünden erlöst. Dabei sollen alle Völker - und das heißt zugleich: alle Menschen - das Heil sehen, das in Christus auf die Welt gekommen ist.
Zugleich soll Christus das Licht sein, das die Heiden erleuchtet. Den Gottfernen wird Gott nahe gebracht. Sie werden durch das Licht, das mit Jesus Christus in die Welt gekommen ist, auf den Weg zu Gott geleitet.
Nach Simeon tritt nun Hanna herzu und auch sie, die Greisin, bezeugt die Sendung Jesu.
Diese Zeugnisse sollten für uns wichtig sein. Sie zeigen uns nämlich, daß Jesus von seiner Geburt an von Glaubenszeugen als Gottes Sohn erkannt worden ist. Das Kind wird zum Heil der Welt.
Können wir daran noch glauben, nahezu 2.000 Jahre nach Christi Geburt und angesichts der Gefahren, mit denen wir Menschen Gottes Natur zu zerstören drohen - durch Verschwendung und Zerstörung der Natur um uns herum, durch Massenvernichtungsmittel bisher nie gekannten Ausmaßes? Verliert nicht gerade das Leben der jungen Menschen unter uns vor diesem Hintergrund Ziel und Richtung? Verlieren nicht wir alle die Hoffnung auf eine bessere Welt?
Dies Bild ist nur die eine Seite unseres Lebens - und es ist die Seite, mit der wir der Unvollkommenheit dieser Welt angehören. Ist es nicht so, daß auch wir unsere Umwelt zerstören, daß auch wir Christen Aggressionen gegenüber unseren Mitmenschen haben?
Es gibt auch die andere Seite: Liebe, Mitleid, Barmherzigkeit, Hilfsbereitschaft, Demut, Dankbarkeit - und glaubensstarke Zuversicht, daß wir trotz allem in Gottes Hand sicher leben können. Vielleicht ist diese Sicherheit eine andere, als wir sie uns vorstellen. Aber Gott ist eben doch ganz nahe bei uns. Er ist zu Weihnachten ein Mensch geworden wie wir - und er hat uns erlöst von der Verlorenheit an die Welt, in der wir leben. Durch ihn haben wir die Gewißheit: Wir sind Gottes K inder.
Ob wir jetzt mit Simeon sagen können, daß wir in Frieden scheiden können? Ich weiß nicht, ob es möglich ist. Wir sind nicht Simeon und wir sehen Gott und die Welt anders als er.
Aber eines kann uns das Zeugnis des Simeon zeigen: Mit Jesus Christus ist das Heil in die Welt gekommen. Wir können lernen, es zu sehen und zu erkennen.
Versuchen wir, mit den Augen des Simeon in Jesus Christus das Heil dieser Welt zu erkennen! Versuchen wir, unser Leben aus dieser Erkenntnis heraus zu führen! Die Welt, in der wir leben ist nicht verflucht und verdammt. Wir sind nicht verlassen und unseren eigenen Zerstörungskräften nicht hoffnungslos ausgeliefert.
Daß wir hier sind - das allein ist schon ein Zeichen der Hoffnung. Daß in Köln so viele Menschen unter dem Zeichen des Kreuzes zueinander finden - über alle nationalen Grenzen hinweg -, das ist ein Zeichen der Hoffnung.
Lassen Sie uns alle dazu beitragen, aus vielen Zeichen und Stationen der Hoffnung, der Liebe und des Friedens den Weg des Heils in Jesus Christus aufscheinen zu lassen. Möge uns Gott, der Herr, dazu verhelfen!
Lieber himmlischer Vater,
dein Wort hat uns nachdenklich gemacht. Es ist gut, daß wir dein Wort hören können und daß es Zeugen wie Simeon gibt. Wir danken dir. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Materialien:
Text: "Die Bibel" - Einheitsübersetzung. Altes und Neues Testament. HERDER. Freiburg. Basel. Wien. 1980
Kommentar: Schweizer, Eduard "Das Evangelium nach Lukas" Göttingen. Vandenhoeck & Ruprecht.1962, S.36-40 - NTD Bd. 3
Predigthilfen:Voigt, Gottfried "Der schmale Weg. Homiletische Auslegung der
Predigttexte. Neue Folge: Reihe I" Göttingen.1978.S.59-65
Rendtorff, Rolf in "Assoziationen", Bd. 1, herausgegeben von Walter Jens Stuttgart. 1978. S. 27 - 28
Sonstiges: Brico, Rex "Taize. Frère Roger und die Gemeinschaft". Freiburg.1979. 240 S.

Anmerkung:
Am 30.12.84 nahmen Gäste aus Ludwigshafen und Spanien am Gottesdienst teil, die bei Gemeindegliedern und im Gemeindesaal übernachteten. Sie nahmen am "Taize-Treffen" vom 28.12. bis 01.01. in Köln teil.

Montag, 6. Juli 2009

Gottes Verstockungsgebot: Gewalt aus Angst und Sprachlosigkeit - Gottes Wege führen weiter: Dank und Jubel

Trinitatis 6.6.1993
- Goldkonfirmation -

Vorbemerkung

Zum Verständnis der folgenden Texte hier einige Informationen:
Vom Januar 1993 bis März 1996 war ich Vorsitzender des Presbyteriums. In der Zeit vom 01.01. bis 30.09.1993 war die einzige Pfarrstelle unserer Gemeinde vakant. Die Konfirmanden des Jahrgangs wurden noch vom Emeritus konfirmiert, Beerdigungen von Pfarrern der Nachbargemeinden übernommen. Im übrigen haben zwei Predigthelfer die laufenden Amtshandlungen vollzogen. Auf diese Weise kommt es, daß in diesem Gottesdienst am 06.06.93 Goldene Konfirmation begangen wurde.


Kanzelgruß

Der Predigttext für den Sonntag Trinitatis steht im Buch des Propheten Jesaja im 6. Kapitel, Verse 1 bis 13:
(1) In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen
auf einem hohen und erhabenen Thron, und sein Saum füllte
den Tempel.
(2) Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel:
mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie
ihre Füße, und mit zweien flogen sie.
(3) Und einer rief zum anderen und sprach: "Heilig, heilig, heilig
ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!
(4) Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens, und das Haus war voller Rauch.
(5) Da sprach ich: "Weh mir, ich vergehe“. Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den Herrn Zebaoth, gesehen mit meinen Augen"
(6) Da flog einer der Serafim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm,
(7) und rührte meinen Mund an und sprach: "Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, daß deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei. "
(8) Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: "Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein?" Ich aber sprach: "Hier bin ich, sende mich!"
(9) Und er sprach: "Geh hin und sprich zu diesem Volk: ‚Höret und verstehet's nicht; sehet und merket's nicht!’
(10) Verstocke das Herz dieses Volks und laß ihre Ohren taub sein und ihre Augen blind, daß sie nicht sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich nicht bekehren und genesen."
(11) Ich aber sprach: "Herr, wie lange?" Er sprach: „Bis die Städte wüst werden, ohne Einwohner, und die Häuser ohne Menschen und das Feld ganz wüst daliegt.
(12) Denn der Herr wird die Menschen weit wegtun, so daß das Land sehr verlassen sein wird.
(13) Auch wenn nur der zehnte Teil darin bleibt, so wird es abermals verheert werden, doch wie bei einer Eiche und Linde, von denen beim Fällen noch ein Stumpf bleibt. Ein heiliger Same wird solcher Stumpf sein."  
Jes. 6, 1 - 13

Herr, unser Gott,
die Worte deines Propheten sind voller Rätsel - wir verstehen nicht,
was er meint ..'und was die Bilder ausdrücken, die er sieht.
Und doch erkennen wir, daß auch wir hören und nicht verstehen, sehen
und nicht merken. Auch in unserer Zeit sind Herzen verstockt, Ohren
taub und Augen blind - Herr, wohin führst du uns? -
Amen.

Vor einer Woche (29.05.1993) kamen bei einem Brandanschlag auf das Haus einer türkischen Familie in Solingen fünf Menschen ums Leben:
- Sayme Gene (4 Jahre alt)
- Hülya Gene (8 Jahre alt)
- Gülüstan Öztürk (12 Jahre alt)
- Hatice Gene (18 Jahre alt)
- Gülsen Inci, geb. Gene (27 Jahre alt)
Warum? - Wer tut das ?
- vgl. KÖLNER STADT-ANZEIGER 125 vom 01.06.1993 und 129 v. 05/06. Juni 1993

Für mich sind derartige Ereignisse Zeichen und Auswirkungen der Angst und Sprachlosigkeit in unserer Gesellschaft. Da ist die Angst vor einer Welt, die man nicht mehr versteht. Da ist die Angst vor dem eigenen Versagen in einer Gesellschaft, in dar angeblich nur Leistung sich auszahlt - und auszahlen soll. Da ist die Angst vor allem Fremden und Unbekannten - seien es Menschen, sei es eine Kultur oder Religion, sei es auch eine bedrohlich unbekannte Zukunft - und es gibt da die Angst vor Gewalt und Zerstörung.
Und da ist auch die Sprachlosigkeit, die keine Worte mehr findet, um die Welt für das eigene Verstehen zu erklären. - Immer mehr Menschen übernehmen fremde Schlagworte und bauen aus ihnen ihr Weltverständnis. Ihr eigenes Erleben in Worte zu fassen, das fällt schwer. Noch schwerer fällt es, dann auch noch die eigenen Gefühle auszudrücken so, daß andere sie verstehen und berücksichtigen können. In solchen Fällen ist es schwer, dem eigenen Leben Inhalt und Ziel zu geben.
Weil das so ist, deshalb staut sich meiner Meinung nach  immer häufiger eine dumpfe Wut an - oder eine maßlose Langeweile. Beides führt immer wieder auch zu Gewalttaten - zu solch grausamen, sinnlosen Taten, die uns verzweifeln lassen. -
Wir können aber auf die Frage "Warum?" auch theologisch mit Worten des Propheten oder des Apostels antworten und sagen: Gott hat die Menschen verstockt. Er selbst ist es, der ihnen die Angst ins Herz gibt und die Sprache raubt - vielleicht, damit sie zur Besinnung kommen? Ich bin kein Prophet und kein Apostel. Auch mir bleibt rätselhaft, weshalb das alles kein Ende nimmt.
Nach dem Zeugnis der Bibel hat es Gott aber immer wieder so gefügt, daß Menschen den geraden Weg zu ihm nicht finden konnten, damit sie danach den Weg zu ihm umso klarer erkennen konnten.
Als Jesaja lebte, das war etwa 700 Jahre vor Christi Geburt, war Palästina geteilt. Im Nordreich Israel breiteten sich Nichtbeachtung des Mosaischen Gesetzes und grobe Mißstände in Kult und Sozialordnung immer mehr aus. Da treten Propheten auf, die in mächtiger Rede betonen, daß Opfer ohne Erfüllung von Gottes Willen wertlos seien - und zur Rückkehr zu Gottes Geboten aufrufen. Jesaja ist einer dieser Propheten. Er lebt im Südreich, in Juda, dessen Hauptstadt Jerusalem ist. In unserem Text berichtet er Verschiedenes;
- Er sieht Gott.
- Er fühlt sich in den Tempel Gottes versetzt und wird gereinigt.
- Gott ruft.
- Jesaja antwortet.
- Gott gibt ihm einen Auftrag.
Jesaja sieht Gott.
Er sieht ihn ganz anders, als die meisten von uns sich Gott vorstellen.
Mächtig ist er. Allein der Saum seines Mantels füllt den Tempel ( 9 x 27 x 13,5 m). Himmlische Wesen schweben hoch über ihm und rufen einander zu:
Heilig, heilig, heilig
ist der Herr Zebaoth,
alle Lande sind seiner Ehre voll!
Ja, das ist wohl ein himmlischer Lobgesang und wir können den Propheten verstehen, der bei diesem Geschehen verzagen will. Doch eines der himmlischen Wesen kommt auf ihn zu, berührt seine Lippen mit glühender Kohle vom Altar - und damit gewinnt Jesaja Zuversicht. Jetzt ist er frei - von seiner Sünde als Mensch vor Gott befreit. Nun hört er auch Gottes Stimme, die fragt, wen er senden soll und wer sein Bote sein soll. Jesaja ist kühn. Er sagt zu Gott: "Hier bin ich. Sende mich!" - Das ist ein ungewöhnliches Wort. In allen anderen Berufungsberichten der Bibel muß Gott den Menschen Mut machen und zusätzliche Kraft geben, damit sie seine Boten werden und seine Aufträge erfüllen. Hier meldet sich einer freiwillig.
Dann folgt Gottes Auftrag: "Geh hin zu diesem Volk und sprich: 'Höret's und verstehet's nicht; sehet und merket's nicht.' Verstocke das Herz dieses Volks und laß ihre Ohren taub sein und ihre Augen blind, daß sie nicht sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich nicht bekehren und genesen.“ Dieser Auftrag ist grausam - und auch übermenschlich. Kein Mensch kann die Herzen anderer verschließen, daß sie nicht verstehen, was ihnen geschieht. Das kann nur Gott. Der Prophet ist nur sein Werkzeug.
Wir können aus der Aufzählung viele bekannte Details herauslesen:
Verstocke das Herz,
laß ihre Ohren taub sein,
ihre' Augen blind
nicht sehen mit den Augen,
noch hören mit den Ohren
noch verstehen mit ihrem Herzen -
das alles geschieht heute noch tagtäglich auf dieser Welt - und wir fassen es nicht. -
Wir feiern heute die Goldene Konfirmation derer, die vor fünfzig Jahren konfirmiert worden sind.
Damals war Krieg. Im Jahre 1943 fiel Stalingrad - für viele die Kriegswende und der Anfang vom Ende des nationalsozialistischen Reiches.
Die letzten deutschen Soldaten verließen Afrika. Italien kapituliert vor den Westmächten und erklärt Deutschland den Krieg.
Im Warschauer Getto bricht der Aufstand der Juden aus.
Auf einer Konferenz in Teheran legen Roosevelt und Churchill und Stalin die künftige Westgrenze der UdSSR fest.
In München verteilen die Geschwister Scholl, Hans und Inge, antifaschistische Flugblätter. Sie werden verhaftet und zum Tode verurteilt.
Im gleichen Jahr wird der Farbfilm "Münchhausen" mit Hans Albers aufgeführt und "Romanze in Moll" unter der Regie von Helmut Käutner.

Nur wenige von uns können sich in diese Zeit versetzen. Wer sie selbst erlebt hat, hat vieles verdrängt und manches auch vergessen. Wir haben aber auch viel über diese Zeit gelernt und konnten viel lesen, hören und sehen. Wir wissen auch, daß vielen Menschen guten Willens die Ohren verschlossen, die Augen bedeckt und das Herz verhärtet wurde, daß sie das Unrecht um sie herum nicht erkannten.
Auffallend ist in solchen Zeiten, daß immer die anderen die Schuld tragen. Etwas Ähnliches haben wir erfahren mit dem Zusammenbruch der DDR und in der Art des Umgangs mit den Menschen, die mit dem Staat in näherem Kontakt waren. Sie lehnen die Mitverantwortung ab - und können nur bescheiden die Schuld für Unrecht und Unmenschlichkeit bei anderen finden.
Auch bei uns heute ist das so. Wen immer wir hören - kein Verantwortlicher sagt es öffentlich, es könnte sein, daß seine Entscheidungen in der Vergangenheit, daß seine Art zu denken und zu reden über die ungelösten Probleme unserer Zeit dazu beigetragen haben könnte, daß viele Menschen keinen Weg mehr sehen in die Zukunft hinein, daß viele Menschen andere suchen, die schuld sein könnten daran, daß dies so ist.
Sind wir vielleicht alle verstockt in unseren Herzen - sehen wir nicht und hören wir nicht? Mir scheint oft, als sei das tatsächlich heute der Fall.
Der Prophet Jesaja fragt nun Gott, wie lange diese Verstockung andauern wird. Und Gott gibt eine schreckliche Antwort. Das Land muß öde und verlassen sein - die Menschen müssen verschwinden. - Nur eine ganz kleine Hoffnung bleibt: Ein Stumpf - wie bei einer gefällten Eiche - wird bleiben, der als heiliger Same wirken soll. - Soweit der Prophet Jesaja. -
Doch Gottes Weg mit uns Menschen ist mit ihm nicht am Ende. Kaum hundert Jahre danach wird das Volk der Juden hinweggeführt nach Babylon. Fünfzig Jahre später kehren die Juden nach Palästina zurück. Ihr Tempel wird neu aufgebaut.
In diese Zeit fällt des Propheten Sacharja Wort: "Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth" - Sach.4, 6 -. Ich habe im letzten Gemeindebrief etwas dazu gesagt.
Wir Christen haben tatsächlich etwas erfahren vom Ende der Verstockung der Herzen. Zu Pfingsten hat der Heilige Geist die Jünger erfüllt und ihnen die Fähigkeit gegeben, hinauszugehen in alle Welt und von Gott und seiner Liebe zu den Menschen zu berichten - ja, Zeugnis abzulegen für diese Liebe.
Der Apostel Paulus war selbst ein Verstockter. Als Pharisäer Saulus verfolgte er voller Leidenschaft die Christen und sah darin seine ihm von Gott gegebene Aufgabe. Als ihm aber bei Damaskus Christus erschien, da wandelte sich sein Herz - er erblindete - und als er das Augenlicht wieder hatte, da sah er klar. Paulus ist einer der größten Lehrer des Christentums geworden, die die Geschichte hervorgebracht hat. Und auch er spricht von der Verstockung, die Gott den Israeliten auferlegt. - Er aber weiß eine Antwort, die Jesaja so nicht kennen konnte. Für ihn ist die Verstockung eines Teils der Juden der Preis für die Errettung aller - und zwar deshalb, damit nicht einer sich gegenüber dem anderen erheben kann und sagen: "Ich aber bin den richtigen Weg gegangen" - vgl. Röm 11, 7 ff - .
Wenn das so ist, dann sind in gewisser Weise wir alle im Herzen verstockt, blind und taub. Wir hören die Botschaft von der Liebe Gottes - und es fällt uns schwer, sie in dieser Welt Wirklichkeit werden zu lassen. Und doch, so blind und taub sind wir nicht. Weihnachten und Karfreitag - das "Thronbesteigungsfest Jesu" wie Pastor Grau (ein Bewerber um die vakante Pfarrstelle in seiner Probepredigt) am vergangenen Montag sagte - und Ostern haben uns als Botschaft und befreiende Realität im Glauben tatsächlich erreicht. Zu Pfingsten erfaßte die Jünger das Feuer des Heiligen Geistes - und sie gaben davon weiter.
Wenn wir heute den Sonntag Trinitatis begehen, dann wird uns diese Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist wahrlich die "Tiefe des Reichtums der Weisheit und der Erkenntnis Gottes" lebendig werden lassen - Röm. 11,33 -: Die mächtige Erscheinung Gottes, wie Jesaja sie erlebte, und der sogenannte Verstockungsbefehl, der den Menschen Not bereitet, - dann Jesus Christus, der aus Liebe Gottes zu den Menschen den Leidensweg auf Erden unter den verstockten Menschen auf sich nimmt, um sie näher zu Gott zu bringen, schließlich der Heilige Geist - der diese Liebe lebendig werden läßt in uns allen. -
Wie Jesaja den Auftrag Gottes auf sich nahm - so nach ihm viele andere Propheten. - Auf eine ganz bescheidene, unvollkommene Weise haben auch wir uns Gott versprochen - in der Konfirmation, in der wir uns der Kirche Jesu Christi zugewandt haben.
Auch vor fünfzig Jahren gab es die Frage an die Konfirmanden - heute ist sie wohl etwas verändert in der Agende unserer Landeskirche -in der es nach dem gemeinsam gesprochenen Glaubensbekenntnis heißt: Nun frage ich euch:
"Wollt Ihr in solchem Glauben
durch Gottes Gnade bleiben und wachsen?
So antwortet: "Ja!"
Wir haben auf diese Frage alle einmal mit "JA" geantwortet: Die Gold-Jubilare unter uns, die älteren und die jüngeren Konfirmierten - und wir hoffen wohl alle, daß noch recht viele nach uns dieses "JA" sprechen können. Wir können nur hoffen und beten, daß dieses JA auch nach fünfzig Jahren und mehr lebendig ist und von uns gelebt werden kann mit allen Höhen und Tiefen, die nun einmal zum Leben gehören. Die Goldene Konfirmation ist ein solch festlicher Höhepunkt - nicht nur im Leben der Jubilare, sondern der ganzen Gemeinde.

Herr,
du bleibst unergründlich und rätselhaft. Aber du läßt das Heil leuchten in der Welt, damit die Hoffnung nicht erlösche und dein Wort seinen Weg findet.
Gib uns Kraft und Mut, als deine Boten auf dieser Welt zu leben. Amen

Kanzelsegen

Ansprache an die Goldkonfirmanden
Liebe Goldkonfirmanden,
im Jahre 1943 - mitten in den Kriegswirren - wurden Sie konfirmiert, im Glauben "gefestigt", wie das lateinische Wort im Deutschen heißen würde.
Ich bin sicher, daß Ihnen das Leben manche Mühsal bereitet, Last auferlegt und auch im Glauben nicht nur gerade Wege gewiesen hat. Und doch meint Gott es gut mit uns Menschen und er möchte schon, daß wir wissen, daß er in unserer Nähe ist, ja, daß er zu uns gehört und in uns wohnt. Als Zeichen dafür sind uns gegeben
- das Sakrament der Taufe für den Beginn des guten Werkes Gottes an uns,
- die Konfirmation, als unsere Zustimmung und Antwort auf Gottes Werk: Ja, Gott, du hast gut angefangen - arbeite weiter mit mir!
- das Sakrament des Heiligen Abendmahls als Gottes Zustimmung und innigste Zuwendung zu uns Menschen, daß nichts uns von ihm trennen kann.
Ich hoffe, daß Sie Gott erfahren haben in dieser langen Zeit durch
- Glück und Freude,
- Gelingen und Vertrauen ebenso wie
- in Verzweiflung, Gleichgültigkeit und Verzagen!
Wir wollen uns nun gemeinsam tragen durch das Glaubensbekenntnis von Geschwistern aus uralten Zeiten, das uns mit Christen über die Konfessionen hinweg verbindet: eg S.1646

L i e d e r

EKG 112 Brunn alles Heils ... eg 140
EKG 111 Gelobet sei der Herr ... eg 139
EKG 254 Ich will dich lieben ... eg 400
EKG 236 Bis hierher hat mich Gott ... eg 329
EKG 160 Kommt her, Ihr seid geladen ... eg 213

Dokumentation (aktualisiert 2009)
1. "... Das dritte Mal war am 29. Mai 1993, .als ich morgens um acht vor dem Haus in Solingen stand, in dem fünf türkische Frauen und Mädchen verbrannt worden waren. Da habe ich gedacht, es lohnt sich alles nicht. Du kannst die Welt nicht ändern. ... Ich habe alle drei Male die Kraft gefunden, weiterzumachen ..." Johannes Rau, damals Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, auf die Frage, ob er in seinem Politikerleben jemals daran gedacht habe, aufzugeben. Zitiert nach
Rüdiger Reitz und Manfred Zabel (Hrsg.) "Johannes Rau. Stationen und Begegnungen", Gütersloh, Gütersloher Verlagshaus. 1999, S. 198
2. KÖLNER STADT-ANZEIGER 81 - 2009 - 04 - 06
- Rita Neubauer "Wie die Krise Killer formt",
Fachleute nennen die Taten frustrierter Arbeitsloser "Ökonozid" (= Ökonomie + Suizid), oft mit Amok-Vorspiel
- dpa-Meldung: "Vater schlägt Kinder mit Hammer". Berndorf/Korbach
Zwei Mädchen in Lebensgefahr - Sein Motiv: Perspektivlosigkeit
- dpa-Meldung: "Polizei muß Tatablauf korrigieren"
Bei der Verfolgung des Amokläufers von Winnenden gab es eine folgenschwere Panne.
München/Stuttgart
3. KÖLNER STADT-ANZEIGER 83 - 2009-04-08, S.83
- Iris Hilberth "Tod auf dem Gerichtsflur“
60-Jähriger erschießt wegen Erbschaftsstreit Schwägerin und sich selbst
Landshut
KÖLNER STADT-ANZEIGER 83, 2009-04-08: "Kinder wegen versuchten Mordes angeklagt - Die zehn und elf Jahre alten britischen Brüder quälten Gleichaltrige." (dpa)
Neben versuchtem Mord wird den beiden Kindern euch Raub zur Last gelegt. In England sind Kinder schon mit zehn Jahren strafmündig.
London

Materialien

Kaiser, Otto
"Das Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 1 - 12"
- Übersetzung und Kommentar -
Göttingen. Vandenhoeck & Ruprecht. 5.A.1981, S. 120 - 134 in der Reihe "Altes Testament Deutsch - ATD -", Band 17
Voigt, Gottfried. Die geliebte Welt. Homiletische Auslegung der Predigttexte. Neue Reihe III. 2. Aufl. Goettingen: Vandenhoek & Ruprecht, 1986. S. 271-278.
Westermann, Claus "Ausgewählte Psalmen"
- Übersetzung und Kommentar -
Göttingen Vandenhoeck & Ruprecht. 1984, S. 53 - 62 ( zu Psalm 13)
Albrecht-Heide, Astrid und Albrecht, Ulrich. [Assoziation zu Tag der heiligen Dreifaltigkeit (Trinitatis): Jes 6, 1-13]. In:
Jens, Walter (Hrsg.). "Assoziationen. Band 3 - Gedanken zu biblischen Texten". Stuttgart. Radius Verlag, 1980, S. 140 – 142
Daewel, Hartwig (Hrsg.) "Ihr seid teuer erkauft". (Predigtgedanken aus Vergangenheit und Gegenwart , Reihe D, Bd. 3). 1. Aufl. Berlin: Evangelische Verlagsanstalt, 1975. S. 7 - 17


Nachmittagsandacht der Goldkonfirmanden

Monatsspruch vom Juni 1993:
Ich aber traue darauf,
daß du, Herr, so gnädig bist,
mein Herz freut sich,
daß du so gerne hilfst.
Ich will dem Herrn singen,
daß er so wohl an mir tut.
PS. 13,6 (Luther, 1912)
Lied: nach Wahl, sonst: EKG 274 "Jesu geh voran ..." eg 391
Der Monatsspruch ist der letzte Vers eines Psalms, der mit den Worten beginnt:
Wie lange, o Herr, vergißt du mich dauernd?
Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir ?
Wie lange soll ich Schmerzen in meiner Seele tragen,
Kummer in meiner Seele Tag und Nacht? -
PS. 13,2 f
(Claus Westermann, 1984)
Wie oft mögen wir in unserem Leben so oder ähnlich zu Gott gerufen haben? - Daß uns Gott verlassen hat, zieht sich durch die Zeugnisse der Bibel vom Alten Testament bis zu Jesu Tod. Daß wir Schmerzen und Kummer tragen müssen - ist uns selbstverständlich, daß wir nicht weiter fragen, woher das kommt. Aber all diesem ausgesetzt zu sein - Tag und Nacht ohne Unterbrechung, vor allem aber, ohne Aussicht auf ein Ende, das macht uns zu schaffen. Es geht uns an die Nieren. Viele verzweifeln daran.
Der Schlußvers, unser Monatsspruch, setzt ein Gegengewicht zu dieser Klage:
Ich aber,
auf deine Güte traue ich,
es juble mein Herz
über deine Hilfe! PS. 13,6
(Claus Westermann, 1984)

Über das Vertrauen wächst dem Psalmdichter die Hilfe Gottes zu. Und nun findet er Grund und Anlaß zu Jubel und Gesang:
Ich will dem Herrn singen, denn er hat an mir gehandelt.
PS. 13,6 (Claus Westermann, 1984)

Lieder zur Auswahl
EKG 274 Jesu geh voran ... eg 391
EKG 198 Lobe den Herren, o meine Seele eg 303
EKG 234 Lobe den Herren, den mächtigen eg 317