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Dienstag, 17. Februar 2009

Fasten einmal anders: Staat und Gesellschaft

Estomihi (2002-02-10)

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Wir hören eine Auswahl aus dem Predigttext für den heutigen Sonntag Estomihi aus dem Buch des Propheten Jesaja im 58. Kapitel, und zwar
die Verse 3 bis 9:
(3) "Warum fasten wir, und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir
unseren Leib, und du willst's nicht wissen?“ - Siehe, an dem
Tage, an dem ihr fastet, geht ihr doch euern Geschäften nach
und bedrückt alle eure Arbeiter.
(4) Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit
gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie Ihr
jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll.
(5) Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag,
an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf hängen
läßt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr
das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der Herr Wohlgefallen hat?
(6) Das aber ist ein Fasten, an dem ich Wohlgefallen habe:
Laß los, die du mit Unrecht gebunden hast, laß ledig, auf
die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!
(7) Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach
sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide
ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!
(8) Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und
deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen.
(9) Dann wirst du rufen, und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich."

Lieber himmlischer Vater,
laß das Wort deines Propheten zu einem Licht werden, das uns den Weg durch diese - oftmals so dunkle und uns trostlos erscheinende - Welt zeigt, den Weg zu dir. Amen.

Nach vierzig Jahren babylonischer Gefangenschaft kehren die Juden in ihre zerstörte Heimat zurück. "Nichts ist mehr so, wie es mal war." Nebukadnezar, der Herrscher Babylons, hatte die Stadt und den Tempel zerstört. Die Jahre hatten das Zerstörungswerk noch fortgesetzt.
Nun suchen die Juden Hilfe und Zuspruch bei ihrem Gott:
„Warum fasten wir - und du siehst es nicht? Warum kasteien wir unseren Leib - und du willst nichts davon wissen?"
Gott wendet die Frage um - ist das denn Gottesdienst, sucht ihr ernsthaft das Gespräch mit mir, wenn ihr fastet? Ihr verhaltet euch doch so wie sonst auch. Ihr selbst steht euch im Wege.
Ja, es ist tatsächlich so - Gott ist kein Service-Unternehmen, das für unser Wohlsein sorgen muß und dafür mit göttlicher Münze - etwa dem Fasten - bezahlt wird. Ihr müßt eure Einstellung ändern. Sucht nicht, mir zu gefallen, sondern den Menschen um euch her zu helfen - wirksam und anhaltend auch dann, wenn es euch schwer fällt.
Macht das Unrecht gut, wenn ihr Unrechtes getan habt. Ich denke zum Beispiel an die damals weit verbreitete Schuldhaft, wonach ein Schuldner ins Gefängnis kommt, wenn er seine Schuld nicht zahlt. Der Jude soll ihn vielmehr frei lassen, für Arbeit sorgen, damit er seine Schuld abtragen kann. "Das ist ein Fasten, an dem ich Wohlgefallen habe“, sagt Gott (Jes. 58,6).
Doch dann ist ständig die Rede vom Handeln an und für den Mitmenschen:
Brich dem Hungrigen dein Brot, gib dem Obdachlosen eine Unterkunft, einem Zerlumpten oder gar Nackten gib ordentliche Kleider.
Wenn das geschieht, wenn du das tust, wenn deine Hinwendung zu deinen Mitmenschen aus der Liebe zu deinem Gott kommt, dann wird dein Licht die Welt erhellen. Du denkst dann nicht an dich - und danach an Gott, wie er dir helfen kann, sondern an deinen Mitmenschen und wie Gott ihm helfen kann. Das ist ein grundlegender Unterschied! -
Im September vorigen Jahres sagte ich an dieser Stelle zum Abschluß der Predigtreihe zur Überwindung der Gewalt:
"Gottes Schöpfung ist gut - 1. Mose 1,31 -, dann ist der Mensch auch gut."
Nach meiner Überzeugung können wir nur auf diesem Wege einen Zugang zu Jesu Aufforderung finden: "Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen" (Mt. 5,44)
Gott hat uns seine Schöpfung anvertraut, der Mensch soll sich die Erde untertan machen - 1. Mose 1,28 -. Aber er soll nicht als Herrscher über ihr stehen, sondern sie lieben, für sie sorgen, mit ihr leiden. Wenn das alles so ist, wie ich es eben beschrieben habe, dann kann ein Christ keinen Krieg erklären.
Wir wissen allerdings, daß wir Menschen unvollkommene Ebenbilder Gottes sind, fehlerhaft, schwach und manches Mal auch böse.
Die Väter und Mütter des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland haben gewiß auch an die Ebenbildlichkeit Gottes gedacht als sie den ersten Artikel des Grundgesetzes - GG - formulierten:
Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Als Vertreter eines Staates mit unvollkommenen Menschen wußten sie aber auch, daß die Würde des Einzelnen und die dieses Staates nur bewahrt werden kann, wenn sie geschützt wird. Er hat Gesetze erlassen und dem Staat in sehr begrenztem Umfang das Recht, das zu kontrollierende Recht der Gewaltanwendung eingeräumt(sogenanntes "Gewaltmonopol des Staates", zum Beispiel im Falle der Polizei und der Bundeswehr). In dieser unvollkommenen Welt ist das wohl notwendig - christlich ist das nicht.
In diesen Wochen hat der Präsident der Vereinigten Staaten George Walker Bush der "Achse des Bösen" den Krieg erklärt. In seiner Rede zur Lage der Nation nannte er den Irak, den Iran und Nordkorea als die Staaten, die diese Achse bildeten.
Es gibt gewiß Gründe dafür, daß er das tat. Viele Menschen halten das für unvernünftig. Auch sie haben ihre Gründe.
Meine Sorge bei seinem Vorgehen ist, daß er glaubt, als Christ so handeln zu müssen. Er kann nicht erkennen, daß seine Handlungsweise nicht ein Zeichen der Stärke und Überlegenheit, sondern der Schwäche und Ichbezogenheit ist. Er weiß, daß er den Krieg bezahlen kann. Die Nation steht noch hinter ihm. Aber wird er auch bezahlen können, was danach kommt - in den USA, vor allem in den zerstörten Ländern und in den Menschen, die zu Kriegsopfern werden? Ich habe da meine Zweifel. -
Was das mit Fasten zu tun hat? Es kann an meiner persönlich begrenzten Einsichtsfähigkeit liegen. Aber es gibt verantwortliche Vertreter der christlichen Kirchen und auch Politiker, die den Eindruck haben, daß der Präsident der USA und die Berater, deren Rat er folgt, im Bewußtsein der Stärke oder vielleicht sogar der Vergeltung handeln. Das widerspricht dem, was Gott zu unserem Handeln, zu unserem Fasten sagt. Am aktuellen Beispiel staatlichen Handelns kann man auch zeigen, was im Verhältnis unter Menschen gilt. Ein anderes Beispiel sehen wir an unserer Kirchenwand - außen, neben der Treppe finden Sie drei Plaketten. Hier meine ich zwei davon. Auf der einen steht:
"Erlaßjahr 2000"
und auf der anderen
"geht weiter."

Was ist damit gemeint? Nicht nur von den christlichen Kirchen ist die Initiative ausgegangen, den Staaten der sogenannten Dritten Welt einen Teil ihrer Schulden gegenüber den entwickelten Industriestaaten zu erlassen. Die christlichen Kirchen beziehen sich auf Bestimmungen des 2. Buches Mose (2. Mose 23, 10f). Mit der Erklärung des Jahres 2000 zum Erlassjahr und seiner Fortsetzung sind Staaten und auch Wirtschaftsunternehmen bereit und in der Lage durchaus im Sinne Gottes zu handeln und aktiv "fasten" können, ob sie das so nennen oder nicht Ein Ausleger nennt dieses Fasten "diakonisches Fasten" – (Gottfried Voigt "Homiletische Auslegung der Predigttexte. Reihe III: Geliebte Welt". Göttingen. Vandenhoeck & Ruprecht. NEUE FOLGE. 2.A.1986, S.415)

Nun stellen sich natürlich einige Fragen.
Ist die "Selbstkasteiung" unchristlich? - Nein. Wir kennen die Beispiele von Johannes dem Täufer und Jesus, die sich immer wieder in die Wüste zurückzogen, um sich konzentriert Gott zuwenden zu können. Dazu kann Fasten helfen. Sinnvoll angewendet ist es eine Hilfe, gesund zu werden und gesund zu bleiben. Es gibt noch einen anderen Grund: Der Teufel führt Jesus in die Wüste, um ihn zu versuchen. Die Evangelisten Matthäus (4,1-11), Markus (1,12 - 13) und Lukas (4,1-13) berichten davon. Jesus widersteht dem Teufel. Manche Christen nehmen sich vor, eine Versuchung, der sie sonst kaum widerstehen, in der Fastenzeit zu meiden - z.B. Schokolade, Zigaretten, Alkohol. Dies alles geschieht aber in Übereinstimmung mit Gottes Auftrag und im Hören auf ihn.
Gott verbietet uns auch nicht , mit ihm zu sprechen und mit ihm zu streiten. Ja, wir dürfen ihn auch bedrängen in persönlicher Not. Der Psalmdichter hat es uns gezeigt:
Sei mir ein starker Fels und eine Burg (Psalm 31, 3)

Kanzelsegen:
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.
Amen.

Samstag, 14. Februar 2009

Taufe - Gottes Hinwendung zum Menschen

Vor dem ersten Golfkrieg; George Bush (sen.)/ Saddam Hussein
1. Sonntag nach Epiphanias 13.01.1991

Vorbemerkung:
Der Gottesdienst wurde in Rheindorf-Süd mit Abendmahl und danach in Rheindorf-Nord mit Taufe gehalten. Die Taufhandlung wurde im Anschluß an Predigt mit Taufansprache vorgenommen.


Kanzelgruß

Als Predigttext hören wir den Bericht über Jesu Taufe durch Johannes
nach dem Matthäusevangelium. Dort heißt es in Kapitel 3, 13-17
(13) Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu
Johannes, daß er sich von ihm taufen ließe.
(14) Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen,
daß ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?
(15) Jesus antwortete und sprach zu ihm: Laß es jetzt geschehen!
Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da .
ließ er's geschehen.
(16) Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem
Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er
sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über
sich kommen.
(17) Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab sprach: Dies ist
mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Lieber himmlischer Vater,
wir möchten gern an dich glauben und wären dieses Glaubens gerne auch sicher. Es würde uns helfen, könnte uns die Taufe darin sicher machen. Das aber ist nicht so. Immer wieder zweifeln wir. Immer wieder von neuem handeln wir gegen deine Liebe. Mach du uns frei, dir nachzufolgen mit immer neuer Fröhlichkeit, Offenheit und Dankbarkeit. Amen.

Wir kommen von Weihnachten her. Zuletzt haben wir von der Anbetung durch die drei Weisen aus dem Morgenland gehört und wissen, daß sich Maria und Josef der Verfolgung durch den König Herodes entzogen, indem sie nach Ägypten flüchteten. Vielleicht erinnern wir uns auch des Berichts im Lukasevangelium, wonach der Junge zu seinen Eltern sagt: "Warum suchtet ihr mich? Wußtet ihr nicht, daß ich in dem sein muß, was meines Vaters ist?“(Lk 2,49). Mit diesem Hinweis begründete Jesus sein Fernbleiben von zu Hause und den Aufenthalt im Tempel, wo er mit Pharisäern und Schriftgelehrten sprach.
Es ist, als gebe es danach einen weißen Flecken, eine unbekannte Lebensspanne Jesu. Lukas beendet seinen Bericht mit dem Satz:
"Und Jesus nahm zu an Weisheit und Alter und Gnade bei Gott und den Menschen“ Lk 2,52).
Jetzt auf einmal ist er da - und von nun an wird er uns nicht mehr verlassen. Aber so plötzlich tritt er doch nicht auf, wie es scheint. Johannes der Täufer hat schon lange vor ihm sein Ankommen angekündigt und die Menschen aufgerufen, von ihrem Weg in die Gottesferne abzulassen. Sie sollten umkehren, zu Gott.
Und nun steht Jesus plötzlich vor ihm. Er kann das kaum glauben. Zwar erkennt er, daß Jesus sich von ihm taufen lassen will. Das lehnt er entschieden ab. Höchstens umgekehrt gäbe es einen Sinn: Jesus der angekündigte Messias und Sohn des einen Gottes tauft seinerseits Johannes, der das Erscheinen dieses Messias in der Welt angekündigt hat. Jesus versteht ihn und versucht, Johannes mit Güte zu bewegen zuzulassen, was jetzt geschehen soll: „Laß es jetzt geschehen!" Johannes folgt schließlich dieser Aufforderung. Daß dies um der Gerechtigkeit willen geschehen soll, wird er vielleicht nicht verstanden haben.
Hier aber liegt ein Hinweis auf den Kern dieser Geschichte - vor allem ein Hinweis auf den Umgang Gottes mit den Menschen. Dieser eine Gott mißt jedem das Maß zu, das ihm gerecht wird. Bei ihm gibt es keine "Gerechtigkeit", die für alle gleich aussähe, sondern eine solche, die für jeden einzelnen von uns die ihm und seinem Wesen entsprechende Gerechtigkeit ist.
Die Taufe war immer eine zeichenhafte Handlung, in der sinnlich erfahrbar der Mensch gewaschen, d.h. gereinigt wird von allem, was ihm vorher anhaftete und der nun sauber und frei ist für das neue Leben in diesem Gott der Liebe. Ein Beleg dieser Liebe ist dieser Mensch Jesus. Ein Zeichen dieser Liebe ist auch, daß sich Jesus wie all die anderen Menschen auch taufen läßt, obwohl er nichts abwaschen muß und kein neuer Mensch zu werden braucht. Johannes versteht das wohl nicht ganz - aber er tut, was Jesus von ihm will.
Da geschieht etwas Unfaßbares: Der Himmel öffnet sich - eine Taube fliegt herab und eine Stimme sagt: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
Nun wissen es die Menschen; Dieser junge Mensch, der sich eben taufen ließ - gegen den ursprünglichen Willen des Täufers Johannes - dieser junge Mann ist Gottes Sohn, ein Sohn den Gott liebt. Mehr noch geschieht: In der Taube, die vom Himmel herab auf die Erde kommt, sehen die gläubigen Menschen den Geist Gottes, der Jesus erfaßt hat - und das Zeichen des Friedens in der Welt, für den dieser Jesus von nun an eintreten wird.
Von nun an liegt Jesu Weg auf dieser Erde offen vor uns. Mit der Taufe beginnt sein eigentlicher Verkündigungsauftrag auch den Mensche um ihn sichtbar zu werden. Das ist das Besondere an diesem Bericht und deshalb wird er auch oft im Zusammenhang mit der Anbetung durch die drei Weisen und Jesu erster Wundertat mit der Verwandlung von Wasser zu Wein auf der Hochzeit zu Kana genannt. In gewisser Weise ist Jesu Taufe auch zum Vorbild der Taufhandlung geworden, die wir Christen vollziehen. In allen drei Berichten werden Menschen von der göttlichen Erscheinung Jesu (gr. Epiphanie) erfaßt und sie bezeugen seine Eigenschaft als Sohn Gottes.
Wie sieht nun Jesu künftiger Lebensweg aus? Der Teufel wird ihn versuchen, Jesus bleibt standhaft und wird als wandernder Prediger durch Galiläa ziehen. Wir wissen auch, wie sein Leben auf dieser Erde endet: Verachtet, geschunden und verhöhnt stirbt er den verächtlichen Verbrechertod - unter Schmerzen. Doch danach steht er aus dem Grabe auf und verkündet denen, die ihm nahe stehen, daß er sie nicht verlassen wird. Das ist dann auch der letzte Satz dieses Evangeliums, nachdem Jesus seinen Jüngern den Taufbefehl erteilt hat:
"Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker. Taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ (Mt.28,19-20).
Diesen Auftrag erfüllen wir auch heute noch. Wir möchten unsere Kinder so früh wie möglich auch äußerlich sichtbar unter die Liebe Gottes stellen und taufen deshalb bereits die Säuglinge.
Hier sind es die Eltern und Taufpaten, die für das Kind eintreten. Sie versprechen, dafür zu sorgen, daß dieser Taufbefehl an diesem Kind
vollzogen wird und daß auch dieses Kind einmal von der Erscheinung des Gottessohnes erfaßt wird und die Liebe Gottes erfährt, die auch dieses Kind trägt. Auf diese Weise verbindet sich der Beginn des öffentlichen Lebensweges Jesu - ein Weg der Liebe Gottes zu den Menschen - mit dem Beginn des Lebensweges unserer eigenen Kinder.
Wie wird aber ihr Weg hier auf dieser Erde aussehen?
Selten war es den Menschen auf dieser Erde so bewußt wie heute, an diesem ersten Sonntag nach dem Epiphaniasfest im Jahre 1991, daß wir alle in Gottes Hand stehen und immer wieder seine Liebe zu uns verraten - ob wir das wollen oder nicht.
In zwei Tagen, am Dienstag, 15.01.1991, läuft das Ultimatum ab, das der Präsident der Vereinigten Staaten, George Bush (sen.), dem Führer des Irak, Saddam Hussein, gestellt hat. Bis zu diesem Zeitpunkt soll Hussein das Scheichtum Kuwait geräumt haben, andernfalls sei Krieg nicht ausgeschlossen. Hochgerüstet stehen sich zwei Staaten gegenüber - George Bush (sen.) weiß die ganze westliche Welt hinter sich. Saddam Hussein fühlt sich als ein von Gott auserwählter Führer des Islam. Man hat ihn den "Teufel" genannt. Ich neige dazu, ihn für ein brutalen, unverantwortlichen Egoisten zu halten, der vom wirtschaftlichen Zusammenbruch seiner Herrschaft ablenken wollte und dazu eine militärischen Erfolg erzwingen will. - Und George Bush (sen.)? Ich bin nicht sicher, ob nicht auch er das Opfer der Hochrüstung in den vergangenen Jahren geworden ist und die Kriegsmaschine nicht mehr aufhalten kann.
Kommt es nun zum Krieg - oder nicht? Und wenn es Krieg gibt - wie wird er aussehen?
Keiner von uns weiß eine Antwort. Mir scheint aber, daß der Krieg, der jetzt entstehen könnte, die Ausmaße eines dritten Weltkriegs erreichen kann.
Aber nicht genug mit dieser Gefahr: Der Friedensnobelpreisträger des Jahres 1990, Michael Gorbatschow, der seit dem Jahre 1987 für Freiheit, für Offenheit gegenüber Veränderungen (Glasnost) und für die Umgestaltung der Diktatur sowjetischer Staaten zu demokratischen Strukturen (Perestrojka) eintritt, dieser selbe Gorbatschow hat in der vergangenen Woche Militär in Wilna einmarschieren lassen. Er stellt sich den Freiheitsbestrebungen der baltischen Staaten entgegen. Erste Schüsse sind gefallen. Es scheint, als sei Gorbatschow in die Abhängigkeit sowjetischen Militärs geraten.
Und wie erleben wir diese Zeit, diesen Jahresbeginn 1991?
Nicht zuletzt wegen der Reformpolitik Gorbatschows sind Mauern in Deutschland gefallen und Grenzen in Osteuropa durchlässig geworden. Wir Deutsche sind ein Volk - wenn wir auch noch zusammenwachsen müssen.
Die Ungewißheit und Sorge um Frieden und Gesundheit in der Welt treibt viele Christen um. Die Kriegsgefahr am Golf macht auch hier Menschen in Deutschland krank vor Angst und Sorge - vor allem aber auch deshalb, weil wir nichts tun können, um diese Gefahr abzuwenden.
Es ist gut, wenn wir uns die Offenheit bewahren konnten, um so empfinden zu können. Nur aus einer solchen Offenheit kann Verantwortung für die ganze Schöpfung wachsen, nur aus solcher Offenheit kann unser Leben Intensität, Tiefe und eine eindeutige Richtung gewinnen. Nur aus solcher Offenheit heraus können wir auch Kraft bekommen, in dieser Welt zu leben, sie zu gestalten nach unseren Kräften - in der Verantwortung vor Gott. Das alles kann aber nur geschehen, wenn uns unsere Angst nicht verzehrt und die Krankheit nicht lähmt.
Offenheit heißt nämlich auch, daß wir das Schöne in dieser Welt, das Gute und die Chancen sehen und dankbar annehmen, die - uns immer noch -ja, immer wieder gegeben werden. Die größte Chance des Christen ist das Wort seines Gottes, daß er ihn liebt und nie verläßt. Um uns einander immer von neuem daran zu erinnern sind uns die Sakramente von Taufe und Abendmahl gegeben. Öffnen wir unsere Herzen auch für diese Gaben unseres Gottes, nehmen wir sie dankbar an und erleben sie unter dem Druck einer Gefahr, die aus dieser Welt kommt, neu!
Gottes Schöpfungsplan ist unergründlich, auf das "Warum?" wissen Menschen keine verbindliche Antwort, vielleicht eine suchende und
stammelnde Erklärung.
Alle menschliche Erfahrung aber zeigt, daß der Schöpfungsplan Gottes im Kern gut ist und daß wir aufgerufen sind, diesen Kern frei zu legen und zu erweitern. Wir sind aufgerufen, nach unseren Kräften mitzuwirken in dieser Welt, damit die Liebe kein Ende findet und das Böse am Ende doch in Ohnmacht versinkt. Das kann nur gelingen, wenn wir nicht die Kraft verlieren, uns zu freuen, wo es etwas zu freuen gibt und zu danken, wo wir Anlaß haben zu danken, Gott unserem Schöpfer, oder zu danken Menschen, die uns begegnen.

Liebe Eltern, liebe Paten, liebe Gemeinde,
weil das alles so ist, wie ich eben sagte, habe ich mich über die Wünsche gefreut, mit denen die Eltern die Taufe ihres Kindes in die Erfahrungen ihres Lebens einbezogen haben.
Sie haben gewünscht, daß wir singen möchten:

Danke für diesen guten Morgen,
danke für jeden neuen Tag,
danke, daß ich all meine Sorgen
auf dich werfen mag.
Danke für jedes kleine Glück,
danke für alles Frohe, Helle
und für die Musik.

Danke, daß ich dein Wort verstehe,
danke, daß deinen Geist du gibst,
danke, daß in der Fern und Nähe
du die Menschen liebst. SuD 723/ eg 334

Ich möchte wünschen, daß dieses Lied heute mit aller Fröhlichkeit und Dankbarkeit gesungen wird - und an allen Tagen der kommenden Woche und der Monate und Jahre danach, in Krieg und Frieden, in Not und Überfluß, in Krankheit und Gesundheit.
Danke, daß ich dein Wort verstehe, danke, daß deinen Geist du gibst ...

Der zweite Wunsch war der Taufspruch. Er steht im Markusevangelium und zwar im Kapitel 9. Er heißt
alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.
Mk.9,23b
Mit Recht wird mancher einwenden, daß Jesus mit dieser Feststellung etwas weit geht. Aber lassen Sie uns versuchen, den Zusammenhang herzustellen, in dem Jesus dieses Wort sagt.
Ein Vater kommt mit seinem kranken Sohn zu Jesus. Er schildert ihm das schreckliche Krankheitsbild. Alle wissen, daß nach menschlichem Ermessen keine Heilung möglich ist. Der Vater wendet sich an Jesus und bittet ihn: "Wenn du etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!" Jesus antwortet: "Wenn du kannst - alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt." Der Vater schrie auf und rief: "Ich, glaube, hilf meinem Unglauben!" Daraufhin heilte Jesus den Sohn. Er erklärt den Jüngern, daß diese Krankheit nur durch Beten geheilt werden könne.

Die Geschichte will die Not menschlichen Un- und Halbglaubens darstellen. Wer glaubt, der kann das nur im Vertrauen darauf, daß Gott ihm die Kraft dazu gibt. Auf sich allein gestellt verlöre der Mensch die Kraft zum Glauben. In anderen Fällen sagt Jesus: "Dein Glaube hat dir geholfen." Die Kraft und die Intensität, mit der sich der Mensch auf Gott einläßt und sich seiner Liebe öffnet, erschließt ihm neue und weitere Möglichkeiten als andere Menschen sie haben.
Mit der Wahl dieses Taufspruches bezeugen die Eltern, daß sie von dieser Kraftquelle wissen und weitergeben wollen an ihr Kind. Sie werden diese Kraft auch brauchen, denn niemand weiß, was diesem Kind auf seinem Lebensweg begegnen wird. Mit den Eltern versprechen auch die Paten dafür zu sorgen, daß von dieser Kraft etwas weitergegeben wird an den Täufling.
Wissen auch wir, die Gemeinde, daß wir den Auftrag von Gott haben, uns um dieses Kind zu kümmern, das heute in die Gemeinde aufgenommen wird? Gelegentlich habe ich meine Zweifel. Die Taufe aber ist ein Band, das alle Christen miteinander verbindet. -
Ich würde jetzt gerne noch von diesem Band sprechen, Paulus hat das in seinem Brief an die Christen in Rom in dem 6. Kapitel sehr eindrucksvoll getan. Das aber wäre eine neue Predigt. –

Herr,
deine Güte reicht , so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.
Deine Gerechtigkeit ist wie die Berge und dein Gericht ist tief, wie das Meer.
Aus deinem Leben leben wir auch;
und wir erkennen erst in deinem Licht das Licht.
Amen.
aus "Mein Liederbuch fpr heute und morgen", tvd Düsseldorf. B 14 (Auswahl)
Kanzelsegen
Lieder
Jesus ist kommen ... EKG 53/ eg 66
Du höchstes Licht ,... EKG 337/eg 441
Danke für diesen guten Morgen ... SuD 723/eg 334
Ihr seid das Volk, das der Herr sich ausersehen *.. SuD 711 b/
EG Bay/Thür 636 Herr, wir bitten, komm und segne uns ... SuD 647/ eg 607
EKG = Evangelisches Kirchengesangbuch, galt in der Rheinischen Landes
kirche bis 1996
SuD= Singt und dankt, Beiheft '84 zum EKG in der Landeskirche Rheinland
eg = Evangelisches Gesangbuch (-West), seit 1996 in der Rheinischen
Landeskirche eingeführt
EG = Evangelisches Gesangbuch, in den übrigen Landeskirchen
hier: Bayern(Bay) und Thüringen (Thür)
Materialien:
Voigt, Gottfried
"Homiletische Auslegung der Predigttexte der Reihe III:
Der rechte Weinstock", Berlin, Evangelische Verlagsanstalt,2.A.1974,
S. 69 - 75
"Homiletische Auslegung der Predigttexte der Reihe III:
Die geliebte Welt", Göttingen. Vandenhoeck & Ruprecht.2.A.1986, S. 391 - 397
Eduard Schweizer
in der Reihe "Neues Testament Deutsch" - NTD -, Göttingen,
Vandenhoeck & Ruprecht:
"Das Evangelium nach Markus", NTD Bd.1, 15.A.1978, S. 100 - 103
"Das Evangelium nach Matthäus", NTD Bd.2, 15.A. 19B1, S. 27 - 30